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Anja Hillings Drama "Sinn" ist eine gelungene Mischung aus urkomischen und tieftraurigen Momenten. In fünf Bildern erzählt Hilling vom Lieben, wie wir es zuvor noch nicht kannten.
Es sind mögliche und unmögliche Beziehungen, extreme und zugleich tief poetische Geschichten, die erzählt werden. Orientiert an den fünf Sinnen des Menschen sehen, riechen, fühlen, hören und schmecken werden die Figuren in Situationen geworfen, die sie scheinbar überfordern.
Da ist Phöbe, gut aussehend mit den schönsten blauen Augen. Sie verliebt sich in Fred, doch Fred, der sie auch liebt, wird diese Schönheit nie erkennen können, denn er ist blind. Da ist Tommi, der alles mit seinem besten Freund Ingo teilt, jedoch seine lungenkranke Freundin Jasmin, die immer schwer Luft bekommt, an Ingo verliert. Da ist Jule, ein autoaggressives Mädchen, das Jasmin auch liebt und ihr ihre Welt aus Schmerz zeigen will. Da ist Natascha, ein autistisches Mädchen, das Stimmen hört und sich in den Spießertypen Albert verliebt. Und da sind Beate und Laurent, die sich ganz ihrer Liebe hingeben, zusammen kochen und bemerken müssen, dass auch die große Liebe der beiden sehr schnell von äußeren Faktoren zerstört werden kann.
Sinn“ erzählt in einer ganz eigenen Sprache vom Lieben und Leiden, von extremem Wollen, extremem Glück und Unglück. Die Geschichten sind unterschiedlich und doch verbindet alle das gemeinsame Streben nach Liebe. Wie unterschiedlich man Liebe versteht, zeigt Anja Hilling auf sehr poetische, zuweilen auch sehr radikale Weise.


Anja Hilling, Jahrgang 1975, studierte zunächst Theaterwissenschaft und Germanistik in München und Berlin, bevor sie von 2002 bis 2006 den Studiengang Szenisches Schreiben“ an der Universität der Künste in Berlin absolvierte. Im Zuge dieses Studiums entstand Anja Hillings erstes Stück Sterne“, welches zum Stückemarkt des Berliner Theatertreffens 2003 ein-geladen wurde. Dort wurde es mit dem Preis für junge Dramatiker der Dresdner Bank ausgezeichnet. Im Sommer des gleichen Jahres nahm Anja Hilling an der International Residency“ am Royal Court Theatre in London teil. Es folgten szenische Lesungen auf den Schillertagen des Nationaltheaters Mannheim und am Theater Neumarkt in Zürich. 2004 folgten weiter Lesungen auf dem Festival für Internationale neue Dramatik in Moskau und St. Petersburg. Ihr zweites Stück, Mein junges idiotisches Herz“ wurde Anfang Oktober beim Wochenende junger Dramatik an den Münchner Kammerspielen vorgestellt, war dort in einer Werkstattinszenierung zu sehen und wurde im März 2005 am Theaterhaus Jena in der Regie von Markus Heinzelmann uraufgeführt. Es folgte eine Einladung zu den Mülheimer Theatertagen. Im gleichen Jahr entstand Anja Hillings drittes Stück Monsun“, welches im September 2005 am Schauspielhaus Köln zur Uraufführung kam. Mit ihrem vierten Werk Protection“ wurde sie zu den Autorentheatertagen 2005 am Thalia Theater Hamburg eingeladen, wo das Stück am 17. Juni in einer Werkstattinszenierung im Rahmen der "Langen Nacht der (zu entdeckenden) Autoren" in der Regie von Andreas Kriegenburg zu sehen war. Eine Einladung der Autorin zu den Werkstattagen an der Burg 2005, Burgtheater Wien, folgte, wo sie ihr fünftes Theaterstück Bulbus“ fertigstellte, das dort auch am 16. März 2006 zur Uraufführung gelangte. Am 28.1.2006 wurde Sterne“ an den Bühnen der Stadt in Bielefeld uraufgeführt. Im Oktober folgte die Uraufführung von Protection“ am Maxim-Gorki-Theater als Eröffnungs-inszenierung der neuen Intendanz unter Armin Petras in einer Inszenierung von der schweizer Regisseurin Simone Eisenring. Ihr sechstes Stück, Engel“, wurde am 29. September 2006 an den Münchner Kammerspielen uraufgeführt. Danach arbeitete Anja Hilling an einem Auftragswerk des Thalia Theaters Hamburg in einer Kooperation mit der Comédie de St. Etienne. Am 15. September 2007 wurde dieses, Hillings siebtes Stück Sinn“, in St. Etienne uraufgeführt. Am 30. September folgte die deutsche Erstaufführung in Hamburg. Parallel zu Sinn“ arbeitete Hilling an ihrem achten Stück Schwarzes Tier Traurigkeit“. Dieses wurde am 12. Oktober 2007 am Niedersächsischen Staats-theater in Hannover uraufgeführt. Aktuell arbeitet Anja Hilling an einem weiteren Auftragswerk des Thalia Theater Hamburg.
2005 wurde Anja Hilling im Rahmen einer Kritikerumfrage des Jahrbuchs der Zeitschrift Theater Heute“ zur Nachwuchsautorin des Saison gekürt. Das Goetheinstitut zählt Anja Hilling gegenwärtig zu den 50 wichtigsten Autoren der neuen deutschen Dramatik.


AUGEN
R.: Tim Stefaniak
Phöbe Leonie Storz
Fred Oliver ulo
Tommi Tim Stefaniak
Beate Eva König
Laurent Christopher Koppermann
NASE
R.: Erhard Notz
Tommi Tim Stefaniak
Ingo Nico Reinold
Jasmin Anna Schmidt
Phöbe Leonie Storz
Chor:
Irina Urig
Daniel Wegener
Marie-Camille Botz
Stefanie Ulrich
Yvonne Flory
HAUT
R.: Nico Reinold
Jule Anne Jedro
Jasmin Anna Schmidt
Blumenfrau Sarah Hölcker
Chor:
Irina Urig
Daniel Wegener
Marie-Camille Botz
Stefanie Ulrich
Yvonne Flory
Statisten:
Eva König
Christopher Koppermann
Oliver ulo
Leonie Storz
Jessica Jaeger
Florian Schmehr
Tim Stefaniak
Aneka Kleinschmidt
OHREN
R.: Erhard Notz
Natascha Jessica Jaeger
Albert Florian Schmehr
Laurent Christopher Koppermann
Phöbe Leonie Storz
Oceane Marie-Camille Botz
Sven Daniel Wegener
Greta Aneka Kleinschmidt
Maria Irina Urig
Klaus Nico Reinold
Werner Tim Stefaniak
Statisten:
Sarah Hölcker
Eva König
Yvonne Flory
Melanie Kucharczyk
ZUNGE
R.: Tim Stefaniak
Beate Eva König
Laurent Christopher Koppermann


Mutig ran an neue deutsche Dramatik
Uni-Theatergruppe Thunis spielt Sinn“ von Anja Hilling
Dank vieler Neuzugänge hat Thunis“ zwanzig Akteure. Im Zehn-Personen-Stück Sinn“ übernehmen die Zusatz-Darsteller Rückblenden und innere Monologe. Ein formales Experiment, das die junge Gruppe reizt.
Von SZ-Mitarbeiterin
Kerstin Krämer
Saarbrücken. Barocke Ausstattungswut kann man der dienstältesten Theatergruppe der Saar-Uni in diesem Jahr nun wirklich nicht vorwerfen: Ein einziges Podest reicht Thunis (Theater der Universität des Saarlandes) für die Inszenierung des Dramas Sinn“. Bei diesem im September 2007 uraufgeführten Bilderreigen der 1975 geborenen jungen deutschen Dramatikerin Anja Hilling handelt es sich um fünf einzelne Dramolette“, die jedes für sich stehen und doch hintergründig verschachtelt zusammenhängen. Hilling lässt ihre Figuren die Liebe in all ihren Facetten und mit allen Sinnen erfahren: Über Augen“, Ohren“, Nase“, Haut“ oder Zunge“, wie die einzelnen Bilder heißen.
Komisch oder traurig, poetisch oder radikal, glücklich oder unglücklich sind die Zweierbeziehungen, in denen es die Liebe zu sehen, zu hören, zu schmecken, zu riechen oder zu fühlen gilt und fast immer so, dass sie die Beteiligten überfordern. Unsere Fassung ist meines Wissens erst die dritte Inszenierung des Stücks“, meint Tim Stefaniak. Der 27-Jährige ist im dritten Jahr Mitglied bei Thunis und teilt sich mit Erhard Notz und Nico Reinold die Regie der einzelnen Bilder. Mit Sinn“ möchten die Thunisier die Fahne der neuen deutschen Dramatik“ hochhalten. Wir wollten etwas anderes machen als der Rest der hiesigen Amateurtheaterszene“, erzählt Stefaniak, der von einer Dramaturgie-Hospitanz am Saarländischen Staatstheater viele Anregungen mitgebracht hat. Und einen hohen Anspruch: Dass beispielsweise der Text nur für zehn Personen konzipiert ist, aber dank etlicher Neuzugänge rund 20 Schauspieler zur Verfügung stehen, war für Stefaniak und seine Co-Regisseure eine willkommene Herausforderung: Beinhaltet die dramaturgische Struktur doch etliche erzählte Rückblenden oder innere Monologe, die nun kurzerhand von den überzähligen“ Darstellern mit Leben gefüllt werden. Stefaniak: Wir möchten verschiedene Arten von Theater zeigen. Zeigen, was auf der Bühne alles passieren kann!“ Mit seinen beiden Regie-Kollegen hat er daher aus der Textvorlage unterschiedliche Formen entwickelt, vom Illusionstheater bis zum postdramatischen Theater. Und hofft: Da dürfte für jeden was dabei sein!“
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