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Thunis präsentiert Friedrich Schillers "Wilhelm Tell“
Nach den beiden überaus erfolgreichen Produktionen im vergangenen Jahr, Anja Hillings Sinn“ und Nora Mansmanns 2 brüder 3 augen“, wendet sich Thunis nun der klassischen Theaterliteratur zu.
Friedrich Schillers "Wilhelm Tell“, ist wohl eines der bekanntesten deutschen Dramen.
Die Geschichte von Tell, der vom Landvogt Gessler gezwungen wird, seinem Sohn einen Apfel vom Kopf zu schießen, und als Rache seinen Peiniger in der hohlen
Gasse“ erschießt, ist fast jedem aus dem schulischen Literaturunterricht bekannt.
Das Freiheitsdrama“, wie es auch oft genannt wird, hat eine sehr bewegte und auch belastende Aufführungs-geschichte. Von den Nazis instrumentalisiert, stieg es zum meist gespielten Drama der NS-Diktatur auf. Nach Kriegsende wurde es wiederum in Ost- und West-deutschland für die jeweilige politische und soziokulturelle Position vereinnahmt.
Dieser schweren Vorbelastung setzt Thunis mit der Inszenierung von Tim Stefaniak, eine frische, sich allen Vorurteilen verwehrende Interpretation entgegen. Die Absage an die tradierte Vorstellung eines Wilhelm-Tell-Superstars“, die Reduzierung auf die sprachliche Stärke des Textes und die behutsame Übertragung in die heutige Zeit sind nur einige der Eckpunkte der Inszenie-rung.


Friedrich Schiller...
...als Sohn eines württembergischen Werbeoffiziers aufge-wachsen in einem pietistisch geprägten Eltern-haus, mußte er ab 1773 auf Befehl des württem-bergischen Herzogs Carl Eugen entgegen seinen Neigungen Jura und Medizin an der militärisch geführten Karlsschule studieren. Anschließend war er für kurze Zeit als Regimentsmedikus tätig. Angeregt durch die Dichtung Schubarts sowie die Lektüre der Schriften Rousseaus und der Jugendwerke J. W. Goethes entstand ab 1777 sein Erstlingsdrama DIE RÄUBER, das mit triumphalem Erfolg 1782 in Mannheim aufgeführt wurde, dem Dichter jedoch Schreibverbot und Arrest durch den Herzog einbrachte. Schiller floh daraufhin 1782 aus
Württemberg und fand Zuflucht in Thüringen. Hier entstand u.a. das Drama KABALE UND LIEBE, das zusammen mit den RÄUBERN und der VERSCHWÖ-RUNG DES FIESCO ZU GENUA sowie der gesell-schaftskritischen Gedichtsammlung Anthologie auf
das Jahr 1782“ seine Sturm-und-Drang-Periode bilden. Sie zeichnen sich durch die Auflehnung gegen die absolutistische Obrigkeit seiner Zeit aus, ohne dass der Dichter eine radikale Umwälzung der gesellschaftlichen Verfassung seiner Zeit letztlich vertritt.
Das Weltbild Schillers, der 1792 Ehrenbürger der Französischen Republik wurde, sich jedoch mit zunehmender Distanz zur Französischen Revolution äußerte, ist auch in seinen Jugendwerken religiös geprägt. Die spätere Ablehnung der Revolution stellt
keinen Bruch in seiner Haltung dar, und vor allem in seinen theoretischen Schriften verlangt er vor der politischen Befreiung des Menschen dessen Erziehung zur Mündigkeit, wie seine Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen“ 1795 zeigen.
Mit WILHELM TELL brachte Schiller 1804 seine Vor-stellungen eines politischen Umsturzes auf den Punkt. Es sollte das letzte fertiggestellte Theaterstück des Dichters
sein. Schiller starb 1805 in Weimar.


Besetzung:
Hermann Geßler, Reichsvogt in Schwyz und Uri.
Tim Stefaniak
Werner, Freiherr von Attinghausen, Bannerherr.
Alexander von Lautz
Ulrich von Rudenz, sein Neffe.
Antoine Richard
Werner Stauffacher, Landmann aus Schwyz.
Florian Schmer
Gertrud, Stauffachers Gattin.
Stefanie Ulrich
Walther Fürst, Landmann aus Uri.
Stephan Jacob
Wilhelm Tell, Landmann aus Uri.
Christopher Koppermann
Hedwig, Tells Gattin, Fürsts Tochter.
Katja Straub
Walther, Tells Knabe.
Lasse Zimmat (a.G.)
Ein Hirte
Eugen Feihe
Ein Jäger
Stephan Jacob
Ein Fischer
Antoine Richard
Arnold vom Melchtal, Landmann aus Unterwalden.
Philipp Ulrich
Konrad Baumgarten, Landmann aus Unterwalden.
Christian Klein
Berta von Bruneck, eine reiche Erbin.
Eva König
Armgard, Bäuerin.
Nora Tritschler
Friesshardt, Söldner Gesslers.
Torben Burkardt
Rudolf der Harras, Gesslers Stallmeister.
Daniel Mantel
Ein öffentliche Ausrufer.
Daniel Mantel
Geßlerischer und Landenbergischer Reiter.
Torben Burckardt
Sennerin 1
Sarah Hölcker
Sennerin 2
Elisa Worna
Bäuerin 1
Sarah Hölcker
Bäuerin 2
Elisa Worna


Wilhelm Tell schießt mit der Pistole
Thunis-Premiere: Schillers Klassiker als Amok-Lauf
Von SZ-Mitarbeiterin
Katrin Meyer
Saarbrücken. Wer kennt die Szene nicht: Ein Vater, der, von einem Tyrannen gezwungen, seinem Sohn einen Apfel vom Kopf schießen muss. Diesmal ist es jedoch keine Armbrust, von der ein treffsicherer Schuss ausgeht, sondern eine Pistole. Nicht das einzige moderne Element in der aktuellen Inszenierung von Schillers Wilhelm Tell“ in der Regie von Tim Stefaniak (Regieassistenz: Christopher Koppermann): So lernt Tells Sohn an der Konsole schießen und die Landleute erfahren die Neuigkeiten des Landes aus der Bild“-Zeitung. Daneben beschränkt sich das Stück aufs Wesentliche und lässt jeglichen Schnickschnack sein, ein Stuhl ist neben Apfel und Pistole einziges Requisit.
Thunis, das Theater der Universität des Saarlandes, hat sich in dieser Saison mit Schillers Drama von 1804 keine leichte Aufgabe gestellt. Doch während bei Schiller in dem Stück über den Freiheitskampf des schweizerischen Volkes vor allem die nationalen Fragestellungen im Vordergrund stehen, setzt Stefaniak seine Akzentuierung anders: Das Thema Gewalt steht deutlich im Vordergrund. Der Versuch, aktuelle Bezüge zur Gewaltdebatte über Terroristen und Amokläufer herzustellen, gelingt jedoch nur mäßig; die Parallelen, die gezogen werden, sind eher schwer nachzuvollziehen. Wilhelm Tell (dargestellt von Christopher Koppermann) überzeugt nicht so recht als psychisch labiler, emotionsloser Außenseiter-Typ, der laut Programmheft ein ähnliches Persönlichkeitsprofil wie ein Terrorist oder Amokläufer aufweisen soll. Keine einfache Interpretation des Protagonisten. Anders Katja Straub, die in der Rolle seiner Gattin seinen Gegenpool äußerst emotional und gelungen darstellt. Neben einigen anderen guten Nebendarstellern ist vor allem der Reichsvogt, den Stefaniak selbst verkörpert, herausragend: Als Tyrann lässt er das Publikum die Freude an der reinen Boshaftigkeit förmlich spüren und schafft es sogar, bei seinem Tod einige Lacher zu ernten.
Insgesamt trotz des problematischen Aktualisierungsversuchs eine kurzweilige Sache. Nicht nur für Germanistikstudenten sehenswert.
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